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Warum wurde Planer von Hitlers Siegen zum Tode verurteilt?

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Warum wurde der Pla­ner der gros­sen deut­schen An­fangs­siege des II. WK zum Tode verurteilt?           

(Erschienen im on-line Magazin Basler Liberale Nachrichten, Ausgabe 08/2020)       ​​                   ​​​ ​ ​               ​ ​ ​  ​  ​           ​  ​  ​   ​   ​       ​   ​   ​    ​    ​   ​    ​    ​     ​     ​​    ​     ​      ​  ​    ​ ​      ​       ​​      ​ ​     ​     ​   ​    ​    ​   ​   ​      ​  ​       ​ ​ ​         ​​          ​​​         ​ ​       ​  ​  ​      ​   ​    ​    ​    ​   ​     ​ ​      ​      ​​      ​ ​      ​      ​  ​  ​    ​     ​     ​    ​ ​     ​    Im Ar­ti­kel der NZZ vom 2. Juli 2020, «Putin macht den Sta­lin» wurde Pu­tins Auf­satz zum 2. Welt­krieg mas­siv kri­ti­siert. Dabei wur­den, wie bei der NZZ bei den gros­sen Fra­gen üb­lich, die Fak­ten so dar­ge­stellt, dass Putin kri­ti­siert wer­den kann. So wird Putin's Sicht von der NZZ indirekt bestritten, dass erst die Kapitulation Grossbritanniens und Frankreichs vor Hitler von 1938 in München diesem die Auslösung des II.WK  ermöglichte.

Wir be­fin­den uns ge­gen­wär­tig im Dienste der USA in der Phase des Auf­baus Russ­lands als Feind, was von der NZZ durch ihre Be­richt­er­stat­tung​​​​​ über Russ­land voll un­ter­stützt wird. Der Ver­fas­ser, der die Zeit um den 2. Welt­krieg gut kennt, schrieb eine Ent­geg­nung, die bis heute von der NZZ nicht ver­öf­fent­licht wur­de. Hier folgt der leicht er­gänzte Text, auch am 27.07.2020 noch um den viertletzten Abschnitt ergänzt:

Putin vertritt seine Interessen und diejenigen Russlands genauso, wie Trump die seinen und die der USA, bzw. handelt grundsätzlich nach den gleichen Prinzipien wie fast alle Politiker. Leider enthält der längere NZZ-Artikel zu Putin neben korrekten Informationen auch einzelne weniger zutreffende.

Putin hat recht, die Sowjetunion hat mit Abstand die grössten Opfer für den Sieg über Nazideutschland erbracht. Kein anderer Staat hatte einen derart hohen Anteil von Toten und Verletzte unter seinen Truppen und seiner Bevölkerung und derart grossflächige Zerstörungen erlitten. Der Verfasser hat auch schon verschiedentlich darauf hingewiesen, dass Vergleiche in US Dollars zwischen Staaten – was auch immer damit verglichen wird – irreführend sind (NZZ: Kriegskosten USA 272 Mrd.$ und Russlands 192 Mrd. $). Was sollen sie angesichts von völlig unterschiedlichen Wirtschaftssystemen – hier die liberale US Wirtschaft, da ein kommunistisches Wirtschaftssytem - , unterschiedlichster Preise und Methoden zu deren Festsetzung, Löhnen und Sozialleistungen, Sold und andere Güter und Leistungen für die Soldaten, ständig schwankender Wechselkursen und vieler anderer Parameter aussagen.? Hatten die russischen Soldaten eine so gute Verpflegung wie die der USA? Hatten sie auch so viele komfortable Urlaube? Dazu kommen noch die fundamentalen geographischen Unterschiede der Kriegsschauplätze und die sich daraus ergebenden völlig unterschiedlichen Anforderung an die Ausrüstung, Bewaffnung und Kampfverfahren (Die Landfläche der Sowjetunion auf Seite der Roten Armee, auf Seiten der Alliierten Europa, Nordafrika, Asien, Pazifik).

Zum wichtigsten Punkt: Es ist erwiesen, dass der zweite Weltkrieg 1938 verhindert worden wäre, hätten Grossbritannien und Frankreich an der Münchner Konferenz vor Hitler nicht kapituliert und ihm die Zerschlagung der Tschechoslowakei erlaubt. Dabei annektierte Hitler nicht nur das Sudetenland (und zerschlug die Tschechoslowakei kurz darauf ganz). Er erlaubte auch Polen, das er immer noch auf seine Seite ziehen wollte, und Ungarn, von diesen dort beanspruchte Gebiete zu besetzen. (Was beide im Oktober/November 1938 taten, Polen «Mit dem Hunger einer Hyäne», wie Churchill schrieb). Wer weiss das heute noch?

Als Hitler im September 1938 an die Münchner Konferenz reiste, erwartete er nicht, dass die Alliierten kapitulieren würden. Deshalb teilte er seinen engsten militärischen Führern mit, er werde nach der Rückkehr von München die Tschechoslowakei angreifen. Die überwältigende Mehrheit der deutschen Generäle, darunter auch die Hitler Anhänger, waren gegen einen Krieg. Die letzteren, weil sie überzeugt waren, Deutschland sei dafür noch nicht bereit. Am Generalstreffen von 1938 versuchte deshalb der durch den selbsternannten Oberkommandierenden Hitler ersetzte Vorgänger, Generaloberst Beck, die deutschen Generäle zum kollektiven Rücktritt zu bewegen und so einen Krieg zu verunmöglichen.

Der​ Chef des deutschen Generalstabes, General Franz Halder – er wollte unter allen Umständen einen Krieg mit England verhindern – und andere höchste Offiziere verschworen sich, Hitler nach der Rückkehr von München zu verhaften und abzusetzen. Einzelne Verschwörer wollten ihn bei dieser Gelegenheit sogar ermorden. Durch die Kapitulation Frankreichs und Grossbritanniens vor Hitler wurde dieser zum Triumphator gemacht. Der Putsch war innenpolitisch unmöglich geworden. Am 28.09.1938 liessen die Verschwörer den Plan fallen. (Halder: «Es gelingt ihm ja alles. Was können wir noch tun?» ). Halder konzertierte sich nach dieser frustrierenden Erfahrung ganz auf seine militärische Aufgabe und plante alle grossen deutschen Operationen, bis er 1942 von Hitler abgesetzt wurde, weil er gegen den Angriff auf Stalingrad war. Die Vernichtung der 6. Deutschen Armee dort zeigte, dass er Recht hatte.

Die Verschwörung hatte für General Halder (und mehrere seiner Gleichgesinnten) noch ein Nachspiel. Nach dem gescheiterten Sprengstoffattentat auf Hitler vom 20. Juli 1944, mit dem Halder nichts zu tun hatte, unterzog die GESTAPO zahlreiche Offiziere, Politiker und Bürger/innen bestialischen Folterverhören. Dabei kamen mehrere Verschwörungen ans Licht, darunter auch die von General Franz Halder von 1938. Er wurde sofort mit Frau und einer Tochter verhaftet, kam ins Konzentrationslager Flössendorf, dann Dachau und wurde vor den rasch vorrückenden Alliierten weg ins Tirol verlegt, wo er hätte hingerichtet werden sollen. Aber die Alliierten befreiten ihn kurz darauf. Im Nürnberger Kriegsverbrecherproze​​​​​ss war er einer der Zeugen der Anklage.

Ohne in Details zu gehen: Bis München war auch das deutsche Volk mehrheitlich gegen einen Krieg, wie Hitler durch das Verhalten der Bevölkerung Berlins nur drei Tag vorher  bei einem grossen Truppenvorbeimarsch erfuhr. Empört sagte er: "Mit einem solchen Volk kann ich noch keinen Krieg führen." Und der berühmte US Journalist William L. Shirer schrieb darüber aus Berlin: Dies sei die "eindrücklichste Anti-Kriegskundgebung​​​ gewesen, die ich je gesehen habe".

Die Verschwörer, darunter neben zahlreichen Offizieren auch viele hohe Beamte und BürgerInnen verschiedenster Parteien, wurden zum Tode verurteilt und an den Füssen an Fleischerhaken aufgehängt. Hitler kam immer wieder mal vorbei, um sich das dadurch verlängerten Leiden der Verschwörer anzusehen. Der langjährige Verschwörer und Chef der deutschen Abwehr, Admiral Wilhelm Canaris, wurde auch enttarnt und wenige Tage vor Kriegsende im Konzentrationslager Flössenburg gehängt. Nur einige durften sich selber umbringen. Sie waren zu bekannt und populär: Generaloberst Beck «durfte» sich erschiessen, Generalfeldmarschall Rommel, nicht beteiligt, aber über die Verschwörung informiert, ohne die Information weiterzuleiten, sich mit einer ihm gelieferten Giftpille umbringen. Mehrere nicht erkannte Verschwörer begingen Selbstmord, weil sie fürchteten, falls sie verhaftet würden, bei den Folterverhören ihre Kameraden zu verraten. So z.B. Generalmajor Henning von Treschkow, Stabschef der Heeresgruppe Mitte, der sich erschoss. Als die GESTAPO, die seinen Heldentot an der Ostfront gemeldet hatte, erfuhr, dass er ein Verschwörer war, holte sie ihn aus dem Grab und verbrannte seine Leiche im KZ Sachsenhausen. Seine Frau wurde verhaftet.

Wir sollten uns auch an einen der ersten der zahlreichen gescheiterten Attentäter, einen Schweizer, den Neuenburger Theologiestudenten Maurice Bavaud, erinnern, der es 1938 versucht hatte. Er wurde am 19. Mai 1941 in Berlin geköpft.

Auch für die Schweiz war Halder von Bedeutung. Als Generalstabschef prüfte zu Anfang des Jahres 1940, vor dem Angriff auf Frankreich, ob eine deutsche Umgehung der französischen Festungskette Maginotlinie durch die Schweiz für Deutschland, oder umgekehrt, ein französischer Angriff durch die Schweiz auf Deutschland eine aussichtreiche Option sei. Er kam wegen der von ihm als stark eingeschätzten Schweizer Armee, die zudem im Jura schon in Stellung war, zu einem negativen Schluss, schrieb aber dazu noch in das Kriegstagebuch: «Eine Umgehung durch eine unverteidigte Schweiz wäre eine verlockende Möglichkeit.»

 

Gotth​​​​​ard Frick, Bottmingen

 


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